
Die Entwicklung des Luftverkehrsstandortes Deutschland äußerst besorgniserregend. In anderen europäischen Ländern hat sich der Luftverkehr längst wieder über das Vor-Corona-Niveau hinaus erholt: Europa erreichte 2025 im Schnitt 106 Prozent des Niveaus von 2019. Deutschland kommt im gleichen Jahr auf nur rund 89 Prozent und fällt damit weiter zurück. Wo vor der Pandemie noch 190 Flugzeuge im Punkt-zu-Punkt-Verkehr ab deutschen Flughäfen eingesetzt wurden, sind es heute nur noch 130.
Ein wesentlicher Grund dafür sind die überhöhten staatlichen Standortkosten, die sich seit 2019 mehr als verdoppelt haben. Der deutsche Luftverkehr muss Belastungen tragen, die andernorts undenkbar wären: So stiegen beispielsweise die Luftsicherheitsgebühren 2025 um bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr – die Deckelung wurde im Januar auf 15 Euro pro Passagier angehoben. Bei der Flugsicherung stiegen die Gebühren 2025 um 40 Prozent – damit ist Deutschlands Flugsicherung die drittteuerste im europäischen Vergleich. Hinzu kommt die Luftverkehrsteuer. Diese Kosten verteuern Flugreisen spürbar und benachteiligen deutsche Flughäfen und Fluggesellschaften im internationalen Wettbewerb. Die Entwicklung trifft Reisende direkt: Steigende Ticketpreise machen selbst den Familienurlaub für viele deutlich teurer, als sie sein müssten – und schränken die Reisevielfalt ein. Dabei ist das wirtschaftliche Potenzial einer Kehrtwende enorm: Mit der Rückkehr der verlorengegangenen 60 Flugzeuge allein wäre ein Wertschöpfungsplus von vier Milliarden Euro verbunden. Deshalb fordern wir von der Politik:
Wer reist, hinterlässt einen CO₂e-Fußabdruck. Das gilt auch für den Luftverkehr, der rund 2,5 Prozent der globalen CO₂e-Emissionen verursacht. Daraus erwächst Verantwortung. Daher arbeiten Politik und Luftfahrtbranche seit Jahren daran, die Klimaauswirkungen des Luftverkehrs zu verringern. So ist der europäische Luftverkehr bereits seit 2012 neben der Energiewirtschaft und den energieintensiven Industrien in den EU-Emissionshandel eingebunden. Der Emissionshandel stellt sicher, dass die erwähnten Wirtschaftsbereiche ihren CO₂e-Ausstoß verringern. Dafür soll die Menge der CO₂e-Zertifikate in der EU bis 2030 schrittweise um 62 Prozent im Vergleich zu 2005 sinken – so hat es das Europäischen Parlament im April 2023 im Zuge der Reform des EU-Emissionshandels beschlossen. Die kostenlosen Emissionszertifikate für den Luftverkehrssektor wurden seit dem 1. Januar 2026 schrittweise abgeschafft, abgesehen von einem begrenzten Fördermechanismus zur Steigerung des Einsatzes von nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAF). Im weltweiten Luftverkehr greift das CO₂e-Kompensations- und Reduktionsinstrument CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) der UN-Luftfahrtorganisation ICAO. Dabei zahlen Airlines für wachstumsbedingte Emissionen – gegenwärtig nehmen rund 130 Staaten teil. Ab 2027 wird die Teilnahme für nahezu alle ICAO-Mitglieder verpflichtend. Die Mittel fließen in ICAO-zertifizierte Klimaschutzprojekte.

Die Vorreiterrolle von TUI Airline, der Verbund von fünf TUI Fluggesellschaften, wird durch den von der unabhängigen Klimaschutzorganisation atmosfair veröffentlichten „Airline Index 2025“ bestätigt: Drei der nationalen Tochtergesellschaften der TUI Airline belegen unter den zwölf untersuchten Fluggesellschaften in der Kategorie „Charterfluggesellschaften“ die ersten drei Plätze. Um unsere Ziele zu erreichen, setzen wir erstens auf die Erneuerung unserer Flotte mit emissionseffizienteren Flugzeugen. Zweitens stehen operative Maßnahmen im Fokus: So verbessern wir kontinuierlich unsere Flugplanung und optimieren unser Treibstoffmanagementsystem. Im Jahr 2024 konnten wir unseren CO₂e-Ausstoß pro Passagierkilometer im Bereich Airlines um 6,7 Prozent im Vergleich zu 2019 reduzieren. Der dritte Hebel für die Erreichung der Reduktionsziele sind nachhaltige Flugkraftstoffe.
Nachhaltige Flugkraftstoffe werden gegenwärtig aus biogenen Reststoffen hergestellt und reduzieren CO₂e-Emissionen unmittelbar. Ein Problem ist aber die Verfügbarkeit. SAF-Hersteller können derzeit die wachsende Nachfrage nicht bedienen. Während SAF an Flughäfen wie in Amsterdam verfügbar ist, fehlt es an vielen touristischen Flughäfen wie Palma de Mallorca oder Heraklion fast vollständig. Auch birgt die EU-Beimischungsverpflichtung von SAF für europäische Airlines eine finanzielle Mehrbelastung. SAF ist drei bis fünf Mal so teuer ist wie gewöhnliches Kerosin. Hinzu kommt: Synthetische Flugkraftstoffe (eSAF), für die 2030 eine Unterquote von 1,2 Prozent greift, sind derzeit faktisch nicht am Markt verfügbar. Dennoch treiben wir das Schlüsselthema SAF voran, um das nachhaltigere Reisen der Zukunft möglich zu machen. So schließen wir mit verschiedenen Unternehmen Partnerschaften für die Produktion und Lieferung von SAF, unter anderem mit dem spanischen Energieunternehmen Moeve (ehemals Cepsa). Entsprechende Kooperationen steigern die Verfügbarkeit nachhaltigerer, nichtfossiler Kraftstoffe. Nichtsdestotrotz bedarf es beim SAF-Hochlauf deutlich mehr politischer Unterstützung.