
Ausgangspunkt der Debatte war eine nüchterne Bestandsaufnahme. Deutschland war über Jahrzehnte der Wachstumsmotor Europas. Für die Jahre 2026 bis 2030 erwartet der Sachverständigenrat noch rund 0,6 Prozent Wachstum pro Jahr. Die digitale Welle wurde weitgehend verpasst. Die Investitionen von Unternehmen liegen zum Teil unter den Abschreibungen. Zukunftsentscheidende Infrastrukturen wie die Energienetze benötigen ein dringendes Update. Bei Technologien wie KI ist das Land von anderen abhängig geworden. Dazu kommen hohe Energiekosten und überbordende Bürokratie.
Ebel stellte in Kiel Handlungsfelder zur Diskussion, um Deutschland und Europa zurück auf den Wachstumspfad und hin zu mehr Innovationsfähigkeit zu bringen. Von der Beschleunigung von Genehmigungen und Bürokratieabbau über gezielte Investitionen in Schlüsselindustrien bis zur Förderung der Talente und Kompetenzen von morgen sowie wettbewerbsfähige Energiekosten: Europa und Deutschland sollten ihre Stärken bewusst einsetzen und klar priorisieren.
Wie konsequent andere Volkswirtschaften vorgehen, machte Ebel unter anderem am Beispiel China deutlich. Das Land fördert Forschung und Entwicklung steuerlich und investiert dort jährlich rund 480 Milliarden Euro. Es bildet fast vier Millionen MINT-Absolventinnen und -Absolventen pro Jahr aus und hält inzwischen rund drei Viertel der weltweiten KI-Patente. Ein zweiter Blick ging über die Grenze nach Dänemark, das beim Ausbau intelligenter Netze und erneuerbarer Energien zeigt, was mit Pragmatismus und klarer Fokussierung möglich ist. Und auch das Bundesland Schleswig-Holstein – gemeinsam mit der TUI Group der Gastgeber des Wachstums- und Innovationsgipfels – präsentierte Antworten auf drängende Zukunftsfragen, beispielsweise zu den Themen digitale Souveränität und erneuerbare Energien.
Claus Ruhe Madsen, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein: „Schleswig-Holstein ist ein gutes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man seine Stärken ernst nimmt. Wir erzeugen mehr erneuerbaren Strom, als wir selbst verbrauchen, und siedeln Industrie dort an, wo die Energie entsteht. Mit Zuversicht nach vorn heißt für mich: weniger zögern und mehr machen. Wer heute investieren will, braucht Planungssicherheit und schnelle Verfahren, keine zusätzlichen Formulare. Unser Nachbar Dänemark zeigt uns jeden Tag, dass das geht.“
Künstliche Intelligenz gehört zu den großen Wachstumsfeldern der kommenden Jahre und stand entsprechend im Fokus des Gipfels. Doch mit dem technologischen Fortschritt entstehen auch neue Abhängigkeiten, etwa bei Infrastruktur, Daten und Modellen. Wie können Politik und Unternehmen die Chancen von KI nutzen und gleichzeitig ihre digitale Handlungsfähigkeit bewahren? Diese Frage zog sich durch die Diskussion.
Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei und Minister für Digitalisierung und Medienpolitik des Landes Schleswig-Holstein: „Digitale Souveränität ist keine Frage der Abschottung, sondern eine Frage der Gestaltungsfähigkeit. Wenn Europa bei Schlüsseltechnologien dauerhaft nur Kunde bleibt, entscheiden andere über unsere Wettbewerbsfähigkeit. Echte Innovation ist offen. Open Source gibt uns Kontrolle über unsere Systeme zurück und schafft gleichzeitig Raum für Wertschöpfung hier bei uns. Wir haben in Schleswig-Holstein gezeigt, dass dieser Weg funktioniert. Jetzt muss er europäisch werden.“
Am Nachmittag rücken Netze und Mobilität in den Mittelpunkt. Ove Petersen, CEO von GP Joule, sprach darüber, wie dezentrale und flexible Systeme die Energieversorgung sicher und bezahlbar machen. Mathias Wiecher, CEO des Ladeinfrastrukturanbieters Spirii, machte deutlich, dass Deutschland bei der Elektrifizierung keine neue Vision braucht, sondern eine konsequente und schnelle Umsetzung. Wybcke Meyer, CEO von TUI Cruises, Ida Wolf von Mercedes-Benz und Bertel Maigaard, Gründer von Biocirc, diskutierten, wie Technologie und neue Kraftstoffe nachhaltige Mobilität wirtschaftlich tragfähig machen.
TUI CEO Sebastian Ebel zum Abschluss: „Heute geht es nicht um Wunschzettel an die Politik. Unternehmen und Staat müssen beide liefern. Wir als TUI investieren in KI, in effizientere Schiffe und Flugzeuge und in die Destinationen, in denen wir arbeiten. Was wir von der Politik erwarten, sind verlässliche Rahmenbedingungen und Entscheidungen, die Wachstum ermöglichen.“
Die TUI Group ist ein weltweit führender Touristikkonzern, der für seine über 34,7 Millionen Kunden integrierte Services aus einer Hand anbietet und die gesamte touristische Wertschöpfungskette unter einem Dach abbildet. Zum Konzern gehören über 460 Hotels und Resorts mit Premium-Marken wie RIU, TUI Blue und Robinson und 19 eigene Kreuzfahrtschiffe, von der MS Europa und der MS Europa 2 in der Luxusklasse und Expeditionsschiffen der HANSEATIC-Klasse bis zur Mein Schiff-Flotte der TUI Cruises und Kreuzfahrtschiffen bei Marella Cruises in Großbritannien. Zum Konzern zählen außerdem europaweit führende Veranstaltermarken und Online-Vermarktungsplattformen zum Beispiel für Nur-Hotel- oder Nur-Flug-Angebote, fünf Fluggesellschaften mit 125 modernen Mittel- und Langstrecken-Flugzeugen und rund 1.200 Reisebüros. Neben dem Ausbau des Kerngeschäfts mit Hotels und Kreuzfahrten über erfolgreiche Joint Ventures und Aktivitäten in den Urlaubsdestinationen setzt die TUI verstärkt auf den Ausbau digitaler Plattformen. Der Konzern mit Sitz in Deutschland wandelt sich zu einem globalen touristischen Plattformunternehmen. Die TUI Aktie ist im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse gelistet und Mitglied des MDAX. Darüber hinaus wird sie an der Börse Hannover gehandelt.
Verantwortung für nachhaltiges wirtschaftliches, ökologisches und soziales Handeln zu übernehmen ist Kern unserer Unternehmenskultur. Die von TUI initiierte TUI Care Foundation setzt mit Projekten in 30 Ländern auf die positiven Effekte des Tourismus, auf Bildung und Ausbildung sowie die Stärkung von Umwelt- und Sozial-Standards. Sie unterstützt so Urlaubsdestinationen in ihrer Entwicklung. Die weltweit tätige TUI Care Foundation initiiert Projekte, die neue Chancen für die kommende Generation schaffen.