
Der Tourismus stemmt in Europa einen BIP-Anteil von zehn Prozent, 25 Millionen Menschen finden hier ihr Auskommen. Allerdings: Die heimischen Tourismusunternehmen stehen zunehmend unter Druck. EU-Regulierung belastet sie einseitig gegenüber Konkurrenten aus den USA und Asien. Fehlende Infrastruktur blockiert die grüne Transformation, und Bürokratie bindet Investitionsmittel. TUI benennt, wo Korrekturen überfällig sind.
TUI bietet als Pauschalreiseveranstalter gemäß EU-Recht umfassenden Verbraucherschutz: Insolvenzschutz, Rücktransport bei Krisen sowie kostenlose Stornierungen bei höherer Gewalt. Onlineplattformen, die insbesondere aus den USA agieren, sind von den Verbraucherschutzvorgaben ausgenommen – obwohl sie ähnliche Reiseprodukte anbieten. Für sie sollte ebenso wie für Kurzzeitvermietungen von Wohnungen gelten: Wer Reiseleistungen kommerziell anbietet, muss denselben steuerlichen und regulatorischen Pflichten unterliegen wie Hotels und Reiseveranstalter.
Tourismus hat in der EU das Potenzial, deutlich über dem Niveau der Gesamtwirtschaft zu wachsen. Jährliche Wachstumsprognose 2025 – 2035:
Europa will attraktiv für Reisende aus aller Welt werden – hohe Ausgaben, gute Sache. Doch langwierige Bürokratie steht dem entgegen: Reisende aus wachstumsstarken Quellmärkten wie China oder Indien müssen im Vorfeld ihrer Reise bis zu sechs Wochen für die Visumsbearbeitung einplanen. Zum Vergleich: Die Vereinigten Arabischen Emirate, Thailand oder die Türkei vergeben Visa in Tagen. Das kostet Buchungen und Wertschöpfung. Kürzere Bearbeitungszeiten sind so auch Wettbewerbspolitik.
Auch im Luftverkehr herrschen massive Wettbewerbsverzerrungen. So belastet die EU-Beimischungspflicht für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) vielfach die Langstreckenflüge. Beispiel Amsterdam ins mexikanische Cancún: Während TUI für die gesamte Strecke die kostspielige SAF-Quote erfüllen muss, gilt das für außereuropäische Airlines mit Umstieg an Drehkreuzen wie Istanbul oder Dubai nur für diese erste Teilstrecke. Hinzu kommt: In Amsterdam ist SAF verfügbar, in Palma de Mallorca oder Heraklion fehlt es fast vollständig. Flottenweit planbare Dekarbonisierung ist so nahezu unmöglich. Die EU muss SAF-Verpflichtungen international abstimmen und ETS-Einnahmen gezielt in den Markthochlauf investieren.
Nachhaltige Energie soll auch die Kreuzfahrt erobern. TUI Cruises hat sich darauf eingestellt und beispielsweise 12 von 13 Kreuzfahrtschiffe für eine grüne Landstromversorgung ausgerüstet. Das Problem: In den meisten Mittelmeerhäfen fehlt es am Anschluss an grünen Strom – ein Ausbau ist dringend erforderlich. Auch für die Elektrifizierung der Busflotten steht in vielen Reisezielen nicht genügend grüner Strom zur Verfügung, die Netze sind nicht angepasst, und es mangelt an Schnellladestationen für den Schwerlastverkehr.