1. August 2019

Der erste Kapitän geht von Bord

Nach 50 Jahren auf See verabschiedet sich Kjell Holm, „Vater der Flotte“ bei TUI Cruises, im August in den Ruhestand

Tausende Gäste bei TUI Cruises haben ihn kennengelernt – und viele werden unmittelbar von der Ausstrahlung dieses Mannes eingenommen gewesen sein: gelassen, freundlich, offen, erfahren – komme, was wolle, so erlangt man leicht das Gefühl: Kjell Holm wird es richten. 70 Jahre alt wird der Finne im September, mehr als 50 Jahre fährt er schon von berufswegen zur See. Nach fast zehn Jahren als Kapitän bei TUI Cruises geht er diesen Monat von Bord. Der auch als „Vater der Flotte“ bezeichnete Holm verabschiedet sich in den Ruhestand. „Es ist Zeit für mich, andere Dinge in meinem Leben zu tun“, sagt er.

In seiner Geburtsstadt Helsinki brachte ihm sein Großvater schon als kleiner Junge alles bei, was man über das Wasser und Schiffe wissen muss. Seine Eltern wollten ihn zunächst nicht zur See fahren lassen, doch er setzte sich durch und erwarb 1977 das Kapitänspatent. 1982 übernahm er sein erstes Kommando auf einem Schiff und als TUI Cruises 2009 gegründet wurde, war er von Anfang an dabei – als erster Kapitän der Reederei. „Ich habe alle neuen Schiffe in Dienst gestellt“, blickt er stolz zurück. Alle Neubauten – angefangen bei der Mein Schiff 3 bis zur Mein Schiff 2 hat er dabei nicht nur „von der Geburtsstunde an“ auf den Weg gebracht, sondern auch maßgeblich mitgestaltet. Die Brücken der Schiffe sind zum Beispiel komplett nach seinen Vorgaben gestaltet – und auch in anderen Bereichen floss seine Expertise ein.

Anfang des Jahres dirigierte er noch einmal das aufwendige Prozedere eines Neuanlaufs maßgeblich mit, als die neue Mein Schiff 2 als achtes und bislang letztes Schiff der Flotte von der Meyer Turku Werft an TUI Cruises übergeben wurde. Ein Neuanlauf sei immer etwas Besonderes, erklärte er bei der Übergabezeremonie in Kiel. „Das ist wie bei einem neuen Wagen, nur viel, viel mehr. Ein Schiff hat so viele verschiedene Systeme und bei allen müssen Sie einen Check machen. Es ist immer ein bisschen spannend, bis alles läuft.“ Die Frage, ob auch etwas schiefgehen könne, beantwortete er mit seiner typischen Gelassenheit aus den vielen Jahrzehnten auf allen Weltmeeren: „Nein, dafür trainieren wir schon lange bevor die Gäste kommen. Wenn sie dann an Bord gehen, sind wir bereit.“

Die neue Mein Schiff 2 ist in seinem Berufsleben der vielleicht krönende Abschluss: „Das ist ein ganz tolles Schiff“, schwärmte er bei der Indienststellung. „Eigentlich denken wir schon länger, diese Schiffe können nicht besser werden – aber dieses Schiff ist wieder eine Stufe besser geworden.“ Niedergelassen hat sich Holm in Australien – aber die See wird ihn natürlich auch im Ruhestand nicht loslassen. Neben Fahrradfahren nennt er Segeln als sein Hobby, für das er nun mehr Zeit bekommt. Bei der Übergabe der neuen Mein Schiff 2 sagte der Chef des Kieler Seehafens, Dirk Claus: „Kjell, Du bist bei uns immer herzlich willkommen – auch mit Deinem privaten Schiff.“ „Verspreche nicht zu viel“, gibt Holm scherzhaft zurück. „Es kann sein, das ich komme.“ Die vielen Seemeilen nach Kiel dürften ihn sicher nicht schrecken.